„Zertifiziertes Gefäßzentrum“

?Was ist das?  

 

Im Fachbereich Gefässchirurgie versehen sich einige Kliniken mit dem „Gütesiegel“ „Anerkanntes Gefässzentrum“ der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie (DGG).

 

Was steckt dahinter?

Die Deutsche Gesellschaft für Gefässchirurgie (DGG) bietet seit zwei Jahren die Zertifizierung als Gefässzentrum an.

 

Was bedeutet Zertifizierung?

Zertifizierung heisst im allgemeinen die Überprüfung eines Unternehmens von Betriebsabläufen oder Produkten auf die Erfüllung bestimmter Kriterien.

Eine Zertifizierung ist ein Verfahren bzw. das mögliche Ergebnis des Verfahrens, bei dem einem Unternehmen bestätigt wird, dass es über ein Qualitätsmanagementsystem verfügt, das Normen entspricht.

Als Zertifizierung bezeichnet man die Bestätigung der Abläufe auf Normenkonformität durch eine unabhängige akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft.

Das Zertifikat bestätigt die Einhaltung der Normenvorgaben gegenüber Kunden, der Öffentlichkeit und den Mitarbeitern.

Siehe auch

www.quality.de/lexikon/ zertifizierung .htm

 

Wie sieht die Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Gefässchirurgie aus nach den o. angeführten Definitionen?

Hier ist die Grundvoraussetzung einer Unabhängigkeit und Unparteilichkeit nicht gewährleistet.

Die Deutsche Gesellschaft für Gefässchirurgie vertritt die zu zertifizierenden Kliniken und ist damit nicht unparteiisch.

Wie auf der Website der Gesellschaft ausgeführt werden die Audits durch Vertreter des Vorstandes der DGG durchgeführt bzw. durch Mitglieder der Kommission Qualitätssicherung.

Es handelt sich also bei den Auditoren nicht um unabhängige Persönlichkeiten sondern um direkte Wettbewerber und Kollegen der Ärzte der zu zertifizierenden Kliniken.

 

Was ist ein Auditor?

Ein Auditor ist eine zur Durchführung von Qualitätsaudits qualifizierte unabhängige Person.

Es ist nicht nachzuvollziehen, wieso die Wahl eines Gefäßchirurgen in den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie oder auch in die Kommission Qualitätssicherung eine Qualifikation als Auditor bedeuten sollte.

 

Kosten

Eine Zertifizierung verursacht Kosten in Höhe von 2.500,-- Euro. Die Zertifizierung gilt für drei Jahre. Nach drei Jahren muss eine Rezertifizierung erfolgen, die dann wieder 1.500,-- Euro kostet.

 

Wie kann eine einzelne Fachgesellschaft (die Deutsche Gesellschaft für Gefässchirurgie), andere Fachbereiche (Radiologie, Angiologie) beurteilen und zertifizieren?

In einem Gefässzentrum finden sich Gefässchirurgen, internistische Gefässspezialisten (Angiologen) und im Bereich der Gefässmedizin tätige Radiologen zusammen.

Für die Qualifikation sind die Landesärztekammern zuständig, die im Rahmen der Erteilung einer Weiterbildungsermächtigung die räumlichen, apparativen, diagnostischen und fachlichen Qualifikationen des betreffenden Ausbilders, resp. der Klinik beurteilen.

Besteht eine Kassenärztliche Ermächtigung ist zusätzlich von seiten der Kassenärztlichen Vereinigung eine Prüfung der qualitative Voraussetzungen in apparativer Hinsicht sowie eine Überprüfung der Qualifikation des Antragstellers vorgeschrieben.

 

Die DGG behauptet, dass durch die DGG-Zertifizierung nachgewiesen wird, dass in einem solchen zertifizierten Gefässzentrum Patienten mit Gefässkrankheiten auf einem qualitativ hohen Niveau versorgt werden:

Wieso soll das durch die Zertifizierung nachgewiesen sein?

Die Zertifizierung zeigt einzig und allein auf, dass bestimmte Organisationsstrukturen und Kooperationen (eine Selbstverständlichkeit in der Gefäßmedizin an allen Kliniken) vorhanden sind und eine bestimmte Anzahl von Eingriffen in den einzelnen Fachdisziplinen ausgeführt werden.

Über den Qualitätsstandard der Eingriffe ist keine Aussage möglich.

Eine solche Beurteilung der Qualität der Leistungen einer gefässmedizinischen Institution könnte nur durch eine externe vergleichende Qualitätssicherung, §137, Abs.1, SGB V erfolgen ( Aufgabe der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung, BQS) aber auch nur dann, wenn die Validität der eingereichten Daten überprüft wird (bisher nicht ausreichend umgesetzt).

 

Zusammenfassend sagt die Zertifizierung als Gefässzentrum der DGG nichts über die Qualität der gefässmedizinischen Behandlung aus.

Die Zertifizierung wird durch keine unabhängigen und keine dafür speziell qualifizierten Personen durchgeführt.

Es handelt sich um ein publikumswirksames Etikett ohne Wert und wird als Reklameinstrument gebraucht, verursacht für den Antragsteller hohe Kosten und bietet dem Patienten keinerlei Gewähr dafür, dass er auf modernstem und höchstem medizinischen Niveau behandelt wird.

Die Urkunde als „Anerkanntes Gefässzentrum“ ist ein nettes Aushängeschild und nichts anderes.

Da dies aber als Werbemaßnahme benutzt wird, ist die Zertifizierung der DGG aus den genannten Gründen sehr umstritten. Man fühlt sich geradezu zur Teilnahme "gezwungen", wenn man keinen Wettbewerbsnachteil hin Kauf nehmen will.

 

In eigener Sache

PS: Damit nicht ein „Neid“-Komplex vermutet wird:

Wir sind extern und unabhängig zertifiziert nach DIN EN ISO 9001

 

Die Qualität unserer Arbeit lassen wir gerne an jedem Mitbewerber messen!

 

 

Mai 2008   Prof.  Dr. med. Stefan von Sommoggy